Ran ans Eingemachte!

Ran ans Eingemachte“ oder meine Leichen im Keller

Diese Geschichte entstand nach dem Lesen eines Artikels von Tina Peel „Ran ans Eingemachte“

Seit Wochen sackt meine Stimmung immer wieder einmal in den Keller, bis unter den Nullpunkt. Mürrisch, launisch gegen mich selbst. Scheinbar grundlos. Aber eben nur scheinbar! Was meldet sich da? Auf der Suche nach dem WARUM geht es ab in die Abgründe meines Selbst, in den dunklen schwarzen Keller, dessen Tür ich am liebsten gar nicht erst anschaue. Ja, nicht einmal wahr haben will, dass es sie überhaupt gibt. Aber nun endlich los, auf die Suche nach dem Verborgenen, ganz tief da unten!
Die Stimmung verbessert das erst einmal auch nicht: Das Kramen in den staubigen Regalen, dem ganzen Müll, der sich da angesammelt hat, ist eher frustrierend, erschlägt mich fast!

Sollten darunter wirklich noch Schätze zu finden sein, mit denen sich etwas anfangen lässt? Guter alter Wein oder Vorräte, die da noch lagern? Unter all dem Staub und Dreck und Müll???

Und was sich da alles findet!

Die Angst vor dem Dunkel, dem Keller, den Spinnen und Asseln, die da sind. Und eine Stimme, die sagt: „Wenn du jetzt nicht lieb bist, kommst du in den Keller!“
Lieb sein? War das nicht gleich gesetzt mit Klappe halten und bloß keine andere Meinung vertreten?
So!? Du bist also auch noch da? Hatte ich Dich nicht schon längst hinausgeworfen? Aber jetzt! Ab ans Licht mit Dir!

Und noch eine Stimme: „Du bleibst jetzt hier drin, wir brauchen dich nicht, du petzt bloß wieder!“ Aha! Du also auch noch! Allein gelassen, nicht dazu gehören dürfen.
Solltest Du nicht auch schon längst hier raus sein? Ab mit Dir!
Heute entscheide ich selbst, ob ich dazugehören möchte und mit wem ich mich umgebe!

Dann noch dieser riesige Stapel, unter dem sich das alte Regalbrett fast durchbiegt!

    • Du bist nicht gut genug

    • Da hättest Du besser sein können

    • Was mehr hast Du nicht geschafft?

    • Das war schon alles?

    • Aber das ist das mindeste, was Du schaffen musst!

Wer hat diesen Müll hier abgelegt? Bin ich nicht gut so wie ich bin?
Und eine neue Stimme: „Nein, denn auch heute erwarten Menschen etwas von Dir, erwarten, dass Du gut bist, das Du stark bist, dass Du ihnen hilfst, bei Seite stehst“.
Aber warum? Muss ich diesen Erwartungen entsprechen? Nein! Muss ich gar nicht! Ich muss nicht alles können. Ich darf um Hilfe bitten. Ich muss auch nicht so ein, wie man es erwartet. Ich darf so sein wie ich bin. Ich darf auch meine Schwäche zeigen!
Also, auch du kannst gehen. Und nimm gleich alle und alles mit, was nur erwartet, nimmt und mich wieder nach unten zieht.

Was? Und dich gibt es auch noch? Und dann auch gleich ein Regal voll?

    • Das kannst Du nicht

    • Das geht nicht

    • Das wirst Du nie schaffen

    • Dafür bist Du zu dumm, zu klein, zu schwach.

    • Aus Dir wird nie etwas.

    • Ohne unsere Hilfe kann das gar nichts werden!

      Weißt Du, was ich schon alles geschafft habe? Klar, ich habe viel probiert, wieder verworfen, fallen gelassen. Aber nicht, weil es nicht ging oder ich es nicht konnte. Nein, es war einfach nicht mein Ding. Ich habe es probiert und entschieden, es ist nicht Meines. Na und? Kann ich doch. Es muss ja nichts ein Leben lang sein. Die Schritte ins Neuland, die habe ich mich gewagt. Da konntest du gar nicht wissen, ob und was geht und funktioniert. Du hast es doch selbst nie probiert, nur gesehen, das andere nach dem ersten Schritt zurückgekommen sind, weil es noch keinen Weg gab. Aber ich, ich habe den Weg gefunden. Also, was willst du noch hier? Ab nach draußen und nimm alle Zweifel gleich mit Dir mit.

Ach! Und Du auch noch hier?

Mache etwas vernünftiges!

Das machen alle so!

Damit kann man nichts verdienen.

Du musst dir etwas schaffen!

Alles brotlose Kunst.

Mit dem was Spaß macht, verdient man keine Geld

Ich habe es geahnt, dass ich Dich hier finden werde. Hier im Dunkel, von wo aus du so hinterhältig agierst! Entscheidest Du was vernünftig ist? Das kann ich heute selbst. Wie bitte? Du meinst es nur gut mit mir? Ich weiß heute selbst, was gut für mich ist. Und das ist ganz sicher nicht das, was alle tun! Nein, das was mir Spaß macht, tut mir gut. Also lass mich selbst herausfinden, was mir heute und in Zukunft gut tut. Nimm Dein Hamsterrad und geh!

Die nächste dunkle Ecke! Nein, da mag ich jetzt wirklich nicht auch noch hinschauen. Scham! Ja wirklich, ich schaue in einen Spiegel und ich schäme mich. Ich schäme für das, was ich einfach liegen gelassen habe. Für das, was eigentlich zu tun gewesen wäre. Aber es hätte ja jemand sehen können, was da passiert ist. Ja ich schäme mich, ein Versager zu sein. Schwach gewesen zu sein, ich schäme mich dafür, mich nicht der Norm entsprechend verhalten zu haben. Ich schäme mich, weil ich so war, wie ich war und so bin, wie ich bin. Scheiß Spiegel! Was soll das? Ich muss mich für nichts schämen. Warum? Nur weil es wieder Jemand erwartet, dass ich mich für etwas schämen muss? Nein! Ich kann zu allem stehen! Auch wenn ich Manches aus heutiger Sicht anders machen würde. Also Spieglein, Spieglein… Auch Du gehörst auf den Müll!

Und was für Schätze habe ich nun gefunden, nachdem es etwas heller in meinem Keller ist?

Ich darf meine eigenen Ansichten und Meinungen habe, und ich darf sie auch ändern, wenn ich auf dem falschen Weg bin.

Ich darf selbst entscheiden, mit wem ich mich umgebe und wo ich dazugehören möchte.

Ich darf probieren, verwerfen und meinen eigenen Weg suchen und finden

Ich darf mich wohl fühlen, mit dem was ich tue.

Ich muss mich für nichts schämen, was ich getan oder auch nicht getan habe

Ich muss nicht stark sein, wenn ich mich schwach fühle.

Ich darf so sein, wie ich bin.

Ein paar Leichen sind entsorgt. Und vielleicht kommt demnächst wirklich Lust auf „Eingemachtes“ mit Schwelgen in Erinnerungen.

PS: Und ja, irgendwann kann es auch im Keller schön aussehen

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Über sasou63

Sylvia Lietsch, Jahrgang 1963. Bis 2007 auf der Suche nach dem ICH. Über verschiedene Ausbildungen in "vernünftigen Berufen" (Kellner, Fremdsprachensekretärin und Immobilienmakler) fand ich 2007 meine Berufung als Heilpraktikerin. Ich entdeckte das Schreiben wieder und auch DAS LEBEN, nachdem im Februar 2011 das Schicksal zum ersten Mal sehr hart zuschlug. Was dann kommt, ist kein Geheimnis: Funktionieren, Depressionen, burn out. Und vor allem: Nur nicht hinschauen. Bis... Ja - bis Du erkennst, dass Du Hilfe brauchst!
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