Meine Welt – alles nur eine Illusion?

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Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Wir sehen die Welt, wie wir sind. Nichts ist wie es scheint. Die Welt ist immer nur die, die wir uns selbst erdenken.

Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit zurück. An Chemie, Physik, Astronomie – daran, wie riesig groß das physikalische und chemische Spektrum des Universums für mich erschien. Und heute frage ich mich:

„Wieviel davon nimmst Du wirklich wahr?“

Jeder Hund kann besser riechen als ich. Bis zu tausend verschiedene Gerüche kann er unterscheiden. Ich kann nicht mal verschiedene Kaffeesorten auseinander halten.
Katzen haben einen Sichtwinkel von über 280 Grad, Fliegen den Rundumblick von 360 Grad und dazu können sie sogar noch 200 Bilder pro Sekunde verarbeiten. Mein Sehfeld ist auf 180 Grad beschränkt und über die Verarbeitung von Informationen will ich lieber gar nicht reden. Eulen erkennen in stockdunkler Nacht ihre Beute. Ich brauche mindestens eine Taschenlampe, um im Dunkel der Nacht mein Auto auf einem unbeleuchteten Parkplatz wiederzufinden. Ein Adler sieht aus 1600 Meter Entfernung ein Eichhörnchen. Ich erkenne auf 500 m nicht einmal ein Gesicht!
Um mein Gehör ist es auch nicht viel besser bestellt! Während ich nur Frequenzen zwischen 20 und 20.000 Hertz wahrnehme (und überhaupt nur das höre, was ich wirklich will), hört eine Taube noch im Bereich von 0,1 Hertz und die Fledermaus bis 200.000 Hertz.
Und auch im Anpassen an extreme Temperaturunterschiede sind mir viele Tiere überlegen. Meine Katze braucht bei Null grad keine dicke Daunenjacke und Wollsocken. (Zugegeben, die brauche ich eigentlich schon viel eher.)

Sichtbares Licht, Temperatur und hörbare Frequenzen beschränken sich bei mir also auf einen winzig kleinen Sektor. Für alles, was sich außerhalb meines Wahrnehmungsbereiches befindet, bin ich blind und taub. Nun ja, wenigstens kann ich denken und habe ein Bewusstsein.

Geht Dir das genauso?
Du nimmst Deine Welt  aktiv wahr, aber Du erlebst immer nur das, wonach Du suchst.
„Ich suche doch nichts!“ wirst Du jetzt sagen. Aber da wage ich Dir zu widersprechen: „Doch, du suchst! Du suchst nach dem, was Du schon kennst, und nach dem, was Dir in Deiner aktuellen Situation wichtig erscheint.“

Aber tröste Dich, mir geht‘ s genauso. In meinem Gehirn läuft auch „nur“ eine Art Film ab. Es ist mein eigener Film mit meinem eigenen Drehbuch. In Wirklichkeit ist die Welt nicht das, was ich zu sehen glaube. Alle Bilder und Sinneseindrücke werden von meinem Gehirn durch meine Erfahrungen und Erlebnisse zusammengefügt und interpretiert. Wenn ich in meiner frühen Kindheit nicht gelernt hättest, dass der Tisch ein Tisch ist, wäre er wahrscheinlich für mich ein Stuhl, und alle Welt würde mich deshalb auslachen.

Übrigens – in einem überlieferten Experiment zur Wahrnehmung soll man Ureinwohnern, die noch nie Kontakt mit der Zivilisation hatten, ein Foto von New York gezeigt haben. Auf die Frage was sie da sehen würden, war die verblüffende Antwort: Hühner

Und warum?
Wir nehmen nur das wahr, was wir kennen, was wir im Laufe unseres Lebens an Erfahrung gesammelt und gelehrt bekommen haben.

Habe ich auch lange nicht geglaubt. Irgendwann habe ich dann folgenden Text gefunden:

In eneir Sutide wrude hersuafegnuden, dsas die Rneflogheie der Bstachuebn in eniem Wrot für uns nchit mher wcthiig ist. Nur der estre und der ltezte Buhctsabe msus scih an der ritihcegn Psotioin bfeniedn. Der Rset knan ein ttoaellr Bsinöldn sein, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Wir hbaen die Wrteör so oft gseeehn, dsas wir die fslcahe Rihenelofge dcruh uesnre Eahfrnug sforot usmtlelen und die rcihgtige Bdeueuntg der Wreöetr in uesnerm Kpof atuoamtsich ettnesht.

Ich war verblüfft, wie problemlos ich ihn lesen konnte. Die Erklärung dazu war einfach: Lernmuster! Ich hatte die Wörter gelernt, viele tausend Male gesehen und gelesen. Und nun setzt mein Gehirn sie einfach selbständig zusammen. Es reicht, wenn der erste und der letzte Buchstabe an der richtigen Stelle platziert sind. Alles andere passiert wie von selbst. Also: Meine Erfahrung bestimmt, was ich sehe. Und manchmal sorgt sie auch dafür, dass ich unachtsam werde.

Die Wirklichkeit wird von dem beeinflusst, was die „Welt“, die Menschen um mich herum, als Realität empfinden. Und das ist das, was ich wahrnehme. Meine Gefühlswelt und mein Ich – Empfinden spielen dabei auch noch eine große Rolle. Mein vermeintlich freier Wille ist damit nur eine Illusion. Er ist nur eine Art Prägung, Programmierung oder eine gezielte Manipulation – abhängig von Erziehungs- und Verhaltensmustern.
Die hast Du doch bestimmt auch.

„Quatsch, ich doch nicht“ höre ich Dich schon protestieren.
Na ja, wer ist schon schonungslos ehrlich zu sich selbst? Das schaffe ich auch immer noch nicht. Aber wenigstens muss ich mir heute nicht mehr Dinge schön-Reden, die absolut dumm gelaufen sind. Ich mache mir auch nichts mehr daraus, wenn andere nicht gut finden, was ich tue. Müssen sie auch nicht. Hauptsache mir geht es gut damit. Heute – ausgebrochen aus dem Hamsterrad – genieße ich auch spontan den freien Tag mitten in der Woche. Vor ein paar Jahren war das noch ganz anders. Da kam das hier dabei heraus:

Endlich ein freier Tag. Mein freier Tag, der Tag nur für mich ganz allein.
Ich wache frühmorgens zur gewohnten Zeit auf. Ein wunderschöner Morgen. Die Sonne blinzelt durchs Fenster, die Vögel zwitschern. Endlich einmal ein Tag für mich selbst, ohne von einem Termin zum anderen zu hetzen. Zufrieden und entspannt kuschele ich mich noch einmal in meine Kissen, um noch ein bisschen vor mich hin zu dösen. Ein Tag, eigentlich so richtig dafür geschaffen, das zu tun, was ich schon immer mal tun wolltest: Frühstück im Bett, Lesen, Telefonieren, Milchkaffee und Schokokekse und dem guten Gefühl, mich richtig schön zu entspannenn. Vielleicht noch ein bisschen Sonne genießen bei einem leckeren Eis, oder einfach nur im Park spazieren gehen.

Zwei Stunden später sind die Hummeln im Hintern da. Was sollen denn die Nachbarn sagen, wenn ich an so einem Tag nur fröhlich vor mich hin gammele? Oder erst meine Mutter, die nur ein paar Ecken weiter wohnt? Der Tag ist zum Faulenzen doch zu schade. Also raus aus den Federn, das übliche Morgenprogramm im Schnelldurchlauf – nichts mit Frühstück im Bett. Schönes Wetter draußen – ich könnte die Fenster putzen. Die dreckigen Scheiben rüsseln mich so wie so schon lange an. Die Gardinen am besten auch gleich noch waschen. Wie sieht denn das sonst aus – saubere Scheiben und dreckige Gardinen? Und wenn schon, dann auch noch die Wohnung putzen. Soll ja ordentlich werden. Im Garten das Unkraut ist auch schon viel zu hoch. Also raus in den Garten. Frische Luft brauche ich ja schon und die Sonne scheint hier genauso wie im Garten des Eiskaffees. Einkaufen muss ich auch noch. Ruckzuck ist der Tag vorbei. Nichts mit entspanntem freien Tag, faul herumliegen oder sich fallen lassen. Am Abend falle ich ins Bett, todmüde – wie immer. Und wieder einmal bedauere ich, nichts für mich getan zu haben. Aber der nächste freie Tag kommt bestimmt und dann…, ja dann werde ich endlich mal etwas für mich tun.

Aber der kleine Mann in meinem Ohr, der treibt mich wieder an – so wie immer und ich warte geduldig auf den Urlaub. Und dann….

So waren sie, die unerkannten Botschaften, die in den Tiefen meines Unterbewusstseins schlummerten. Aber ich habe sie enttarnt, mir bewusst gemacht. Und heute ist ein freier Tag EIN FREIER TAG – EIN TAG FÜR MICH

Erinnerst Du Dich auch an sie? Diese Ermahnungen: “So einen Tag vertrödelt man nicht. Lass Dich nicht so hängen. Sei nicht so faul, sei fleißig! Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“ Hast Du jemals von Deinen Eltern oder Großeltern gesehen, dass ein freier Tag mit Nichtstun vergeudet wird? Ich habe so etwas nie erlebt! Eher Schuften bis zum umfallen.

Auch mir wurde schon sehr früh beigebracht: „Wer nichts leistet, ist nichts wert. Mach schnell, mach dies, mach das.“ Und lange wunderte ich mich über diesen inneren Antreiber – diesem Teil in meinem Kopf, der aus Ruhepausen Unruhe zauberte und das schlechte Gewissen nagen lies.
Und alles nur, weil sich in mir Glaubenssätze manifestiert hatten, die mich auch noch unbewusst steuerten. Diese Glaubenssätze waren bewusste und unbewusste Verallgemeinerungen über mich selbst, über meine Mitmenschen und die Welt von deren Wahrheit ich überzeugt war. Sie waren eng mit Werten verbunden und stellten auch die Regeln auf, wie ich diese Werte erreichen sollte.

  • Das musst Du so machen…
  • Das gehört sich so aber nicht…
  • Du kannst doch nicht einfach…
  • Denke doch auch mal an die anderen…
  • Erst wenn alle versorgt sind, kannst Du Dir Deine Pause gönnen…

Und? Was für Botschaften hast Du denn so im Kopf? Auch noch in diesem Hamsterrad gefangen?

Aber soll ich Dir etwas verraten? Das kann man wirklich abstellen! Und das Leben macht wirklich mehr Spass, wenn man sich nicht nach den anderen richtet.

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Über sasou63

Sylvia Lietsch, Jahrgang 1963. Bis 2007 auf der Suche nach dem ICH. Über verschiedene Ausbildungen in "vernünftigen Berufen" (Kellner, Fremdsprachensekretärin und Immobilienmakler) fand ich 2007 meine Berufung als Heilpraktikerin. Ich entdeckte das Schreiben wieder und auch DAS LEBEN, nachdem im Februar 2011 das Schicksal zum ersten Mal sehr hart zuschlug. Was dann kommt, ist kein Geheimnis: Funktionieren, Depressionen, burn out. Und vor allem: Nur nicht hinschauen. Bis... Ja - bis Du erkennst, dass Du Hilfe brauchst!
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